Aktiendepot ohne Ordergebühren: So siehst du die echten Gesamtkosten
Wenn du ein „Aktiendepot ohne ordergebühren“ suchst, geht es in Wahrheit um die Gesamtkosten pro Jahr und pro Order – nicht nur um den Preis einzelner Käufe oder Verkäufe. Oft werden die vermeintlich „freien“ Orders über andere Entgelte kompensiert: etwa über laufende Depotgebühren, Mindestentgelte, sonstige Positionen oder Auslagen.
Der beste Weg ist simpel: Ziehe einmal alle Kostenarten aus dem Preis- und Leistungsverzeichnis und ordne sie deinem typischen Ablauf zu (wie oft kaufst/verkaufst du wirklich? wie lange hältst du?).
Kurz gesagt
- „Ohne Ordergebühren“ heißt häufig nicht „ohne Kosten“: Prüfe Depotentgelt, Fremdspesen/Auslagen und mögliche Mindestentgelte.
- Entscheidend ist die Kostenlogik: Wo entstehen die Kosten – bei jeder Order, laufend oder nur in Sonderfällen?
- Rechne mit deinen realen Ordern pro Monat und deiner Haltedauer – nicht mit Standardannahmen.
- Das Modell rechnet sich nur, wenn die Fixkosten und die variablen Kosten insgesamt zu deinem Profil passen.
Alle Kostenbestandteile
Damit du „ohne Ordergebühren“ wirklich vergleichen kannst, sortiere die Kosten in klar getrennte Blöcke. Für deine Vergleichsrechnung brauchst du im Kern drei Schichten: (1) Depotbezogene Entgelte (laufend), (2) transaktionsbezogene Positionen (rund um die Ausführung) und (3) zusätzliche Posten (Auslagen/Fremdspesen, Abgaben oder Sonderfälle).
Die FMA verweist in ihrem Informationsbereich zu marktüblichen Entgelten darauf, dass es nicht nur um direkt verrechnete Entgelte gehen muss, sondern dass auch weitere Entgeltformen berücksichtigt werden sollten, die nicht zwingend als „klassische“ Ordergebühr sichtbar sind. (Marktübliche Entgelte - FMA Österreich)
1) Laufende Kosten fürs Depot
Das Depotentgelt wird typischerweise jährlich oder monatlich verrechnet. Genau deshalb können „kostenlose“ Orders trotzdem teuer werden, wenn du selten handelst.
Entscheidungsfrage: Zahltst du Fixkosten, die du auch dann trägst, wenn du gar nicht aktiv bist?
2) Transaktionskosten bei Orders
„Ohne Ordergebühren“ bezieht sich meist auf das Orderentgelt selbst (also die ausgewiesene Gebühr je Kauf/Verkauf). Im Preis- und Leistungsverzeichnis können aber zusätzlich Positionen auftauchen, die erst im zweiten Blick auffallen – z. B. Kosten für bestimmte Ausführungsleistungen oder Handelsplatz-/Servicepositionen.
Entscheidungsfrage: Ist wirklich „0 €“ für dein Order-Setup – oder nur „0 €“ bei einer Teilposition?
3) Fremdspesen und Auslagen
Hier verstecken sich oft die Posten, die sich im Alltag stark bemerkbar machen. Praktisch ist der Test:
- Suche nach Begriffen wie „Auslagen“, „Spesen“, „Fremdkosten“ oder „Gebühren Dritter“.
- Prüfe, ob diese bei Aktien bzw. ETFs in deinem gewünschten Modus anfallen.
- Achte darauf, ob sie pro Order oder pro Ausführung verrechnet werden.
4) Ereignisbezogene Gebühren (nur wenn sie zu dir passen)
Manche Entgelte fallen nur bei bestimmten Ereignissen an (z. B. Umstellung/Änderungen, zusätzliche Dokumente oder spezielle Korrekturprozesse). Wenn du diese Ereignisse nicht planst, kannst du sie in der Break-even-Logik zunächst ausklammern – aber erst, nachdem du im Vertrag/Leistungsverzeichnis geprüft hast, dass es wirklich nur „sporadisch“ ist.
Checkliste: Kosten sammeln (für deine konkrete Entscheidung)
- Depotentgelt: pro Monat/Jahr? Gibt es Mindestbeträge?
- Orderentgelt: wirklich 0 € – und unter welchen Bedingungen (z. B. Orderkanal, Mindestvolumen)?
- Auslagen/Fremdspesen: fallen sie bei deinen Instrumenten an? pro Order/Trade?
- Sonstige Positionen: gibt es eine separate Liste „alle Entgelte“ (und welche davon betreffen deinen Standard)?
- Abrechnung/Abwicklung: tauchen dafür eigene Posten auf?
- Währungsumrechnung: relevant, wenn dein Standardportfolio auch Fremdwährungen enthält.
Was du für die Kosten bekommst
„Ohne Ordergebühren“ ist nur dann ein echter Vorteil, wenn die vermeintliche Ersparnis nicht durch andere Kostenblöcke wieder aufgefressen wird – und wenn die Dienstleistung zu deinem Nutzungsstil passt.
Ein hilfreicher Bewertungsrahmen ist, die Kosten in Fixkosten (laufen unabhängig vom Handeln) und variable Kosten (steigen mit Aktivität) zu denken.
Szenario A: Du bist selten aktiv Wenn du z. B. nur 2–4× pro Jahr kaufst oder umschichtest, dominieren häufig die laufenden Depotkosten. Dann kann ein Modell mit „0 € Ordergebühr“ trotzdem schlechter sein.
Szenario B: Du bist öfter aktiv Wenn du monatlich oder öfter nachinvestierst bzw. Rebalancing-Orders planst, zählt vor allem: Wie viel kostet dich jede Ausführung wirklich – inklusive Auslagen/Fremdspesen?
Neben der Kostenrechnung lohnt auch ein Blick auf die Transparenz: Kundinnen und Kunden sollen über Kosten und Nebenkosten so informiert werden, dass eine nachvollziehbare Entscheidung möglich ist. (Delegierte Verordnung (EU) 2017/565 (MiFID II) – EUR-Lex)
Nachvollziehbares Rechenbeispiel
Nehmen wir an, du prüfst ein „Aktiendepot ohne ordergebühren“-Modell. Ziel ist nicht „die perfekte Annahme“, sondern ein Rechenweg, den du mit deinen echten Daten füttern kannst.
Deine Annahmen (ersetze sie durch deine Werte)
- Trades pro Jahr: 24 (im Schnitt 2 pro Monat)
- Depotentgelt: 36 € pro Jahr (Fixkosten)
- Auslagen/Fremdspesen: 1,50 € pro Trade
- Ordergebühr selbst: 0 €
Rechnung
- Fixkosten
- Depotentgelt pro Jahr: 36 €
- Variable Kosten
- Auslagen pro Jahr: 24 × 1,50 € = 36 €
- Gesamtkosten pro Jahr
- Gesamtkosten = Fixkosten + variable Kosten
- 36 € + 36 € = 72 € pro Jahr
- Kosten pro Trade (Plausibilisierung)
- 72 € / 24 = 3,00 € pro Trade
Vergleichsidee (ohne Anbieter nennen zu müssen)
Jetzt vergleichst du das mit einem Modell, das Ordergebühren verlangt:
- Alternative: Depotentgelt 12 € pro Jahr
- Ordergebühr: 2 € pro Trade
- Auslagen/Fremdspesen: 1,50 € pro Trade
Alternative Gesamtkosten:
- 12 € + (24 × (2 + 1,50))
- 12 € + (24 × 3,50)
- 12 € + 84 € = 96 € pro Jahr
Ergebnis im Beispiel: 72 € vs. 96 € → Das „ohne Ordergebühren“-Modell ist günstiger.
Mini-Fallstrick, den du vermeiden solltest
Viele rechnen nur die Ordergebühr gegen. Wenn jedoch Auslagen/Fremdspesen pro Trade anfallen, verschiebt sich die echte Differenz deutlich.
Ab wann sich die Entscheidung rechnet
Um den Break-even Punkt zu finden, brauchst du den Unterschied zwischen den Modellen:
- Fixkostendifferenz (Depotentgelt & ggf. weitere laufende Posten)
- variable Kostendifferenz pro Trade (z. B. Ordergebühr vs. 0 € plus/oder Auslagen)
Formel als Entscheidungsanker
Wenn Modell A (ohne Ordergebühren) höhere Fixkosten hat, aber niedrigere variable Kosten, dann gilt:
- Break-even Trades pro Jahr = Fixkostendifferenz / variable Kostendifferenz pro Trade
Beispiel mit klaren Zahlen
- Modell A („ohne Ordergebühren“): Depotentgelt 30 € pro Jahr, Auslagen 1,50 € pro Trade
- Modell B (klassisch): Depotentgelt 10 € pro Jahr, Ordergebühr 2,00 € pro Trade, Auslagen 1,50 € pro Trade
- Fixkostendifferenz
- 30 € − 10 € = 20 €
- Variable Kostendifferenz pro Trade
- Modell A variabel: 1,50 €
- Modell B variabel: 2,00 € + 1,50 € = 3,50 €
- Differenz: 3,50 € − 1,50 € = 2,00 €
- Break-even
- 20 € / 2,00 € = 10 Trades pro Jahr
Interpretation
- Machst du mehr als 10 Trades pro Jahr, ist Modell A in diesem Beispiel günstiger.
- Machst du weniger als 10 Trades pro Jahr, könnte Modell B trotz Ordergebühren besser passen.
Praktischer Check für deine Realität
Die beste Frage lautet: Wie viele echte Ausführungen machst du wirklich pro Jahr? „Aktiv“ ist oft weniger als gedacht (z. B. 10–20 Trades statt 50). Wenn du nur selten nachkaufst, entscheiden Fixkosten eher als die Ordergebühr.
Einordnung nach Situation
Nicht jede Person profitiert gleich stark. Entscheidend ist, ob dein Verhalten zu den Kostenarten passt.
1) Langfristig aufbauen, aber nicht täglich handeln
Wenn du typischerweise 1–3 Trades pro Monat machst, sind variable Kosten pro Trade relevant. Dann kann ein Modell mit „ohne Ordergebühren“ spürbar helfen – aber nur, wenn Auslagen/Fremdspesen pro Ausführung nicht unerwartet hoch sind.
Konkrete Vorgehensweise
- Nimm deine geplanten Trades pro Monat.
- Setze sie in deine Beispielrechnung ein.
- Entscheide anhand der Summe aus Depotentgelt + (variablen Posten pro Trade).
2) Selten aktiv („Buy & Hold“)
Wenn du nur 2–6 Trades pro Jahr machst, dominieren häufig Fixkosten. Dann kann ein Modell mit niedrigerem Depotentgelt trotz Ordergebühr insgesamt günstiger sein.
3) Unterschiedliche Märkte oder Währungen
Sobald bei bestimmten Ausführungen zusätzliche Kostenblöcke wahrscheinlicher werden, solltest du die Auslagenpositionen besonders ernst nehmen. Auch wenn die Ordergebühr 0 € ist: Andere Posten können die Differenz auffressen.
4) Du willst Kostenkontrolle und Vergleichbarkeit
Wenn die Entgelte klar, vorab und im Preis- und Leistungsverzeichnis nachvollziehbar sind, kannst du deine zukünftigen Orders realistisch einpreisen. Gerade das macht „Kostenmodelle“ langfristig planbar.
Als Nächstes gilt: Triff die Entscheidung nicht am Werbesatz, sondern an deinem Zahlenmodell.
Nächster Schritt: Entscheidung vorbereiten
- Schreibe dir realistisch auf, wie viele Trades pro Jahr du erwartest (nicht idealisiert).
- Addiere beim favorisierten „Aktiendepot ohne ordergebühren“-Modell:
- Depotentgelt pro Jahr
- plus Auslagen/Fremdspesen pro Trade (und nur die weiteren Positionen, die in deinem Szenario tatsächlich relevant sind)
- Nutze die Break-even-Logik, um zu sehen, ab wann das Modell gegenüber der Alternative typischerweise günstiger ist.
Wenn du willst, bringe ich dir die Break-even Rechnung auf deine konkreten Werte (Trades/Jahr und die relevanten Posten aus dem Preis- und Leistungsverzeichnis).
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